Mehr als 8 von 10 deutschen Bürger*innen befürworten Gesetze, die es Technologieunternehmen ermöglichen, Bilder und Videos von sexuellem Kindesmissbrauch aufzuspüren
Mehr als acht von zehn deutschen Bürger*innen geben an, dass sie ein vorgeschlagenes EU-Gesetz unterstützen, das Kinder online schützen und sicherstellen soll, dass Technologieunternehmen ihre Websites und Plattformen nach Bildern und Videos sexualisierter Gewalt gegen Kinder durchsuchen.
Die Umfrageergebnisse1 wurden veröffentlicht vor dem Hintergrund der neuesten Zahlen der Internet Watch Foundation (IWF), die einen Anstieg der Meldungen von bestätigtem Material über sexuellen Kindesmissbrauch im Jahr 2025 zeigen.
Die IWF, Europas größte Hotline im Kampf gegen die Verbreitung von Bildern sexuellen Kindesmissbrauchs, fordert nun die deutschen politischen Entscheidungsträger*innen sowohl im Rat der EU als auch im Europäischen Parlament auf, den Willen ihrer Wählerschaft zu respektieren und dabei zu helfen, die lang verzögerte EU-Verordnung über sexuellen Kindesmissbrauch zu verabschieden.
Die Umfrage aus ganz Deutschland zeigt, dass nicht nur 83 Prozent der Befragten die Verordnung unterstützen, 2 sondern 86 Prozent wollen, dass ihre Regierung das Gesetz befürwortet,3 das Millionen europäischer Kinder vor sexualisierter Gewalt im Internet schützen soll.
Die erstmals 2022 vorgeschlagene Verordnung hat endlich eine kritische Verhandlungsphase erreicht, aber mehr als drei Jahre lang haben es die EU-Führungskräfte versäumt, die Akte voranzubringen. In dieser Zeit hat sich die Krise sexualisierter Gewalt gegen Kinder dramatisch verschärft.
Im vergangenen Jahr verzeichnete die IWF alarmierende 312.030 Meldungen, die nachweislich Bilder und Videos von sexuellem Kindesmissbrauch enthielten, eine Steigerung von 7 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
IWF-Analyst*innen identifizierten auch 3.440 Videos von KI-generierten Darstellungen sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche, was einer Steigerung um das mehr als 260-Fache gegenüber den 13 Videos entspricht, die 2024 identifiziert wurden.
Die Umfrage zeigt, dass die deutsche Öffentlichkeit in dieser Frage sehr einig ist, unabhängig davon, ob sie Kinder zu Hause haben oder nicht, wobei Haushalte mit Kindern im Alter von 18 Jahren oder jünger nur geringfügig stärker dafür sind (88 Prozent)4, dass ihre Regierung den Gesetzentwurf unterstützt, als diejenigen, die keine haben (86 Prozent).
Diese Stimmung spiegelt sich auch in Italien und Polen wider, wo 90 Prozent beziehungsweise 89 Prozent der Umfrageteilnehmer*innen der Meinung sind,5 dass ihre Regierungen den Gesetzentwurf unterstützen sollten.
Die vorgeschlagene Verordnung ist ein wesentlicher Schritt, um einen harmonisierten und wirksamen Rahmen für die Erkennung, Meldung und Entfernung von Bildern und Videos von sexualisierter Gewalt gegen Kinder in allen EU-Mitgliedstaaten sicherzustellen.
Deutsche Gesetzgeber waren bisher zurückhaltend, bestimmte Aspekte des vorgeschlagenen Gesetzes voranzutreiben. Mit Beginn der ernsthaften Verhandlungen fordert die IWF sie nachdrücklich auf, Maßnahmen zu unterstützen, die sicherstellen, dass Technologieunternehmen die Verbreitung von Material über sexuellen Kindesmissbrauch auf ihren Plattformen unterbinden. Die Verordnung muss zumindest eine dauerhafte Rechtsgrundlage für die freiwillige Aufdeckung von Material über sexuellen Kindesmissbrauch in der gesamten EU bieten.
Kerry Smith, Geschäftsführerin der Internet Watch Foundation, sagte: „Kinder haben zu lange auf starke Gesetze gewartet, die sie vor sexueller Ausbeutung und wiederholter Viktimisierung im Internet schützen. Die Gelegenheit, Europa als globalen Vorreiter für die Online-Sicherheit von Kindern zu etablieren, liegt in Deutschlands Reichweite, und wir fordern seine Führungskräfte auf, eine wirksame, umfassende und ehrgeizige Verordnung zu unterstützen.“
„Wir dürfen uns nicht dem Druck derjenigen beugen, die die Sicherheit und Privatsphäre von Kindern für ihre eigenen Zwecke ignorieren. Es ist unerlässlich, dass Plattformen und Websites die Technologien implementieren, von denen wir wissen, dass sie funktionieren, um Europa zu einem sicheren digitalen Raum zu machen.“
Die IWF fordert auch die Aufnahme einer obligatorischen Überprüfungsklausel in die Verordnung, um die Prävention von sexuellem Kindesmissbrauch im Internet zu stärken.
Kerry sagte: „Die EU darf sich nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen. Die Zahl der vom IWF gemeldeten Fälle von bestätigtem sexuellem Kindesmissbrauch in Bildform steigt, und wir brauchen eine obligatorische Überprüfungsklausel, damit die Gesetzgeber anhand der während der freiwilligen Phase des Rahmenwerks gesammelten Beweise beurteilen können, ob in Zukunft obligatorische Aufdeckungsvorschriften eingeführt werden sollten.“
„Die Verordnung muss auch robuste Risikobewertungs- und Minderungsmaßnahmen vorschreiben. Diese sollten Technologieunternehmen verpflichten, Material über sexuellen Kindesmissbrauch zu blockieren und gleichzeitig Transparenz und unabhängige Aufsicht sicherzustellen.“
Kerstin Claus, Deutschlands Unabhängige Bundesbeauftragte gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen, sagte: „Das Aufdecken, Melden und Löschen von Missbrauchsdarstellungen darf nicht vom Goodwill der Plattformen abhängen, sondern muss verbindlich und wirksam sein. Betroffene brauchen proaktive Unterstützung bei der schnellen Löschung der Darstellungen ihres sexuellen Missbrauchs.“
„Gleichzeitig sind effektive Mechanismen nötig, um fortlaufende sexualisierte Gewalt zu erkennen und Strafverfolgung einzuleiten. Dafür braucht es ein starkes EU-Zentrum mit Wissenstransfer zwischen den EU-Mitgliedsstaaten sowie die feste Einbindung eines europäischen Betroffenenrats für eine evidenzbasierte, betroffenenzentrierte Politik.“
Mehr als 312.000 Meldungen, die sexuellen Kindesmissbrauch oder Links zu solchen Inhalten enthielten, wurden von IWF-Analyst*innen im Jahr 2025 bestätigt. Jede Seite kann Hunderte, wenn nicht Tausende illegaler Bilder von Kindern enthalten. Dies ist die höchste Anzahl von Webseiten mit sexuellem Kindesmissbrauch, die die IWF in ihrer 30-jährigen Geschichte jemals entdeckt hat, und stellt eine Steigerung von 7 Prozent gegenüber den mehr als 291.700 Meldungen dar, die 2024 identifiziert wurden.
1 Die Umfrage wurde von dem Meinungsforschungsunternehmen Savanta im November 2025 durchgeführt und umfasste 6.004 Erwachsene in Deutschland, Italien und Polen online. Savanta befragte 2.001 Personen in Deutschland. Die Daten wurden gewichtet, um in jedem jeweiligen Land repräsentativ für Alter, Geschlecht und Region zu sein.
2 83 Prozent der deutschen Erwachsenen geben an, dass sie vorgeschlagene EU-Rechtsvorschriften stark oder etwas unterstützen, die Unternehmen dazu verpflichten könnten, Bilder und Videos von Kindern, die sexuell missbraucht werden, auf ihren Websites und Plattformen proaktiv zu erkennen und zu blockieren, einschließlich in privaten Ende-zu-Ende-verschlüsselten Nachrichtenkanälen.
3 86 Prozent der deutschen Erwachsenen denken, dass ihre Regierung die vorgeschlagene EU-Verordnung über sexuellen Kindesmissbrauch unterstützen sollte, die Unternehmen dazu verpflichten könnte, Missbrauchsdarstellungen von ihren Websites und Plattformen zu erkennen und zu entfernen.
4 31 % der befragten deutschen Erwachsenen hatten Kinder unter 18 Jahren in ihrem Haushalt, 68 % hatten keine. Davon gaben 88 % bzw. 86 % an, dass ihre Regierung die vorgeschlagene EU-Verordnung zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung und sexuellem Missbrauch unterstützen sollte, die Unternehmen dazu verpflichten könnte, Bilder und Videos von sexuell missbrauchten Kindern auf ihren Websites und Plattformen aufzuspüren und zu entfernen.
5 Fast neun von zehn (88 %) Erwachsenen in Deutschland, Italien und Polen sind der Meinung, dass ihre Regierung die vorgeschlagene EU-Verordnung zum Schutz von Kindern vor sexuellem Missbrauch unterstützen sollte.